Erfahrungsbericht
Horizonte

 

Aybike Savaç ist in Hamburg aufgewachsen und hat am Gymnasium Hamm ihr Abitur gemacht. Ihre Eltern stammen aus der Türkei. Seit dem Wintersemester 2016/17 studiert sie an der Universität Hamburg gymnasiales Lehramt (Master) für Deutsch und Philosophie. Seit Herbst 2016 ist Aybike Savaç Stipendiatin der Claussen-Simon-Stiftung im Förderprogramm Horizonte. Sie engagiert sich am Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) im Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte, mittlerweile ist sie dort auch im Sprechergremium. Außerdem arbeitet Aybike Savaç als studentische Hilfskraft am Fachbereich Allgemeine, Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft (DiVER – Diversity in Education Research Group) der Universität Hamburg. Seit ihrer Schulzeit unterstützte sie die Schulbehörde bei der Organisation der Sprachfeststellungsprüfungen in den Herkunftssprachen.


 

Warum haben Sie sich für das Horizonte-Förderprogramm beworben?

"Die Themen Diversität, Bildungsgerechtigkeit und Interkulturalität begleiten mich schon seit meiner eigenen Schulzeit. Auch bei dem Wunsch, Lehrerin zu werden, haben meine persönlichen Erfahrungen eine Rolle gespielt. Im Hinblick auf mein Selbstverständnis als Lehrerin mit Migrationsgeschichte und mein besonderes Augenmerk auf diese Faktoren im schulischen Kontext habe ich über das Studium hinaus nach spezifischem Input gesucht. Das Horizonte-Stipendium eröffnet mir viele neue Möglichkeiten, für die ich sehr dankbar bin. Ich bin von der ideellen Förderidee total überzeugt."

Welche Erfahrungen haben Sie seit Beginn des Stipendiums und durch die Förderung gemacht?

"Toll und bereichernd war das Zielfindungsseminar zu Anfang des Stipendiums: Wir haben in der Gruppe und in Einzelcoachings sehr intensiv gearbeitet und individuelle Ziele entwickelt. Gerade das Einzelcoaching war überwältigend, ich fühlte mich sehr gesehen. Das war eine nachhaltige und sehr motivierende Erfahrung. Und das bestärkt mich, meinen Weg weiterzugehen. Das Stiftungsteam leistet eine tolle Arbeit, ich freue mich, als Stipendiatin zur Stiftung dazuzugehören."

Wie würden Sie den Mehrwert des Stipendiums für sich persönlich beschreiben?

"Die Zusatzangebote, die ich im Rahmen der ideellen Förderung wahrnehmen kann, empfinde ich sie als sehr bereichernd. Wir erhalten viel Raum zur Selbstreflexion, was ich sehr schätze. Menschliche Reife und große Reflexionsfähigkeit sind für gute Lehrkräfte immens wichtig. Im normalen Studienbetrieb werden die Inhalte selten auf das Menschliche heruntergebrochen. Genau das erlebe ich jetzt im Coaching: Durch die vielfältigen Möglichkeiten zur Reflexion und die persönliche Auseinandersetzung mit unserer Rolle als Lehrkraft mit Migrationsgeschichte werden wir wahrscheinlich im Referendariat auf die Herausforderungen des Schulalltags besser vorbereitet sein. Und wir sind ein sehr netter Stipendiatenjahrgang, wir verstehen uns gut und sind auch neugierig auf unsere Geschichten."

Worauf freuen Sie sich im weiteren Verlauf?

"Nach der Zieldefinition geht es nun darum, konkrete Schritte zu machen. Das wird noch einmal ein sehr spannender Prozess. Ich habe mir zum Beispiel als Ziel gesetzt, mich als Mediatorin ausbilden zu lassen. Dazu passt das demnächst anstehende Seminar zum Thema Konfliktmanagement im Kontext Schule. Auch auf die weiteren Fortbildungsangebote und die Arbeit mit den anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten freue ich mich. Ich bin überzeugt, dass wir von der ideellen Förderung für unsere pädagogische Arbeit sehr profitieren."

Inwieweit hilft das Stipendium Ihnen dabei, Ihre Rolle als Lehrerin mit Migrationsgeschichte zu leben und zu vermitteln?

"Es reicht nicht, selbst eine Migrationsgeschichte mitzubringen. Gerade als Lehrkraft, die sich mit vielen unterschiedlichen Migrationshintergründen und den daraus entstehenden Dynamiken im Schulalltag auseinandersetzen muss und will, gehört eine systematische interkulturelle Schulung zum Handwerkszeug dazu. Zusätzlich zum Bewusstsein für die besonderen Herkunftsgeschichten. Ich lebe diese Rolle sehr bewusst und möchte für meine Schülerinnen und Schüler ein positives Vorbild sein, möchte sie zu größerem Selbstvertrauen ermutigen: Sie sollen lernen, sich nicht von institutionellen Hindernissen aufhalten zu lassen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass sie ihren Weg gehen können. Das ist etwas, das ich ihnen bewusst vorleben und mitgeben möchte. Die Weiterbildungs- und Reflexionsangebote im Rahmen des Stipendiums, die konzentrierte Auseinandersetzung mit mir und meiner Geschichte und ihrer Bedeutung für mein Leben als Lehrerin helfen mir dafür sehr."